Pfarreiengemeinschaft Twist

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Impulse zu den Sonn-und Feiertagen

Impuls zum 6. Sonntag der Osterzeit am 09.05.2021
von Pastor Michael Schiller

Evangelium: Johannes 15, 9-17

Ich nenne euch nicht mehr KNECHTE: denn der Knecht ist nur ein „Befehlsempfänger“, er macht das, was ihm aufgetragen wird, aber er kennt nicht den Plan, der dahintersteht – er weiß eben nicht, was sein Herr tut.

Vielmehr habe ich euch FREUNDE genannt: weil ihr Eingeweihte seid, Mit-Wisser, Teilhaber … weil ich euch alles vom Vater mitgeteilt habe, was ER mir gesagt hat.

Ich musste nochmal an diese merkwürdige Nachricht in der Zeitung vor einiger Zeit denken, wo ein „Promi“ erklärte, dass er sich nach seinem Tode deshalb nicht verbrennen lassen würde, weil er Angst hat, wenn er dann in den Himmel kommt, dass er gefragt werden würde, wo denn sein Skelett sei … ! Meine Güte – was für eine armselige Vorstellung – noch nicht mal kindlich – und wie himmelweit entfernt vom Denken eines „FREUNDES JESU“! Natürlich kann ich mir alle möglichen Gedanken und Vorstellungen über Gott machen – und wir müssen uns selber fragen, wie das bei mir aussieht, wie ich über Gott denke … aber die Realität Gottes, wie ER wirklich ist und wie es mit mir und IHM ist, das erfahre ich nur, wenn ich in eine BEZIEHUNG MIT IHM gehe, wenn ich der Einladung Jesu zu einer Verbindung mit ihm folge und mich als FREUND DES HERRN verstehe und so lebe.

Das drückt eigentlich am allerbesten aus, worum es im Glauben geht: FREUND DES HERRN zu sein! Wobei das eine oft nicht gefühlsmäßige, sondern sehr normale, vielleicht sogar eher nüchterne, Angelegenheit ist: die Freundschaft mit Jesus.

Mich berührt in diesem Zusammenhang das Beispiel von SOPHIE SCHOLL, die heute vor 100 Jahren geboren wurde. Bei einer Gedenkveranstaltung für die Mitglieder der „Weißen Rose“ wenige Jahre nach dem Ende des Krieges sagte der kath. Theologe Romano Guardini: „Glauben heißt, die Gesinnung Christi als die wahre anzusehen; die Wirklichkeit, die er verkündet, als die endgültige anzusehen; mit der Kraft, die Christus selber gibt, im eigenen Leben das Leben Christi nachzuvollziehen. In der Tiefe dieser Gemeinschaft mit Christus sind die letzten Motive entsprungen, die das Leben der Mitglieder der „Weißen Rose“ bestimmt hat! (=> so sieht Freundschaft mit Christus“ aus …) Damit soll nichts Absonderliches behauptet werden. Sie waren natürliche Menschen, die ihr Leben kräftig lebten; sich des Schönen freuten, das es ihnen schenkte, und das Schwere trugen, das es ihnen auferlegte. Sie schauten grade in die Zukunft, zu tüchtigem Werk bereit und auf die Verheißungen hoffend, die in der Jugend liegen. Aber: Sie waren Christen aus Überzeugung! Sie standen im Raum des Glaubens, und die Wurzeln ihrer Seele reichten in die Tiefe der Verbindung mit Christus hinab.“

„Ich habe euch Freunde genannt, denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe. Ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.“

Amen.